Ratgeber · Senioren & Pflege

Unruhe oder Rückzug: ein ruhiger Begegnungsmoment kann den Alltag öffnen.

Hinter Unruhe, wiederholtem Rufen, Umhergehen oder Rückzug können sehr unterschiedliche Bedürfnisse stehen. Eine tiergestützte Begegnung bietet einen konkreten, wertschätzenden Anlass, wieder in Kontakt oder Aktivität zu kommen.

Kurz beantwortet

Tiergestützte Aktivierung kann bei Unruhe einen überschaubaren Fokus und bei Rückzug einen niedrigschwelligen Kontaktanlass bieten. Schmerz, Krankheit, Überforderung, Angst, Einsamkeit und Umgebung werden dabei als Teil der personenzentrierten Planung berücksichtigt.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze.

01 · Verstehen

Unruhe und Rückzug haben eine Geschichte.

Schmerzen, Harndrang, Hunger, Müdigkeit, Nebenwirkungen, Orientierungsprobleme, Reizüberflutung, Angst, fehlende Beschäftigung oder ein unerfülltes Bedürfnis nach Nähe können Verhalten beeinflussen. Deshalb beginnt die Planung mit Beobachtung und Rücksprache.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft empfiehlt, mögliche Ursachen und auslösende Situationen ernst zu nehmen. Tiergestützte Aktivierung lässt sich darauf abgestimmt mit medizinischer und pflegerischer Ursachenklärung verbinden.

02 · Fokus

Ein Tier macht den Moment konkret und verständlich.

Das Beobachten einer Bewegung, das Hören eines Geräuschs oder das Halten einer Bürste schafft eine klare gemeinsame Situation. Das kann helfen, Aufmerksamkeit von einer belastenden Reizlage auf einen überschaubaren Kontakt zu lenken.

Bei Unruhe sind langsame Abläufe, wenig Sprache und ausreichend Abstand oft hilfreicher als viele Aufforderungen. Bei Rückzug kann die Fachkraft zunächst nur präsent sein und ein Angebot machen, ohne Teilnahme einzufordern.

03 · Aktivierung

Beteiligung darf klein beginnen.

Beteiligung kann heißen, dem Tier zuzusehen, eine Farbe auszuwählen, einen Namen zu erinnern, einen Gegenstand zu halten, zu sprechen oder einige Schritte mitzugehen.

Diese kleinen Handlungen geben Gelegenheit zu Wahl, Resonanz und Selbstwirksamkeit und werden als Einladung gestaltet.

04 · Dosierung

Der Einsatz endet, solange er noch stimmig ist.

Zu lange oder zu reizreiche Termine können Unruhe verstärken. Deshalb werden Dauer, Gruppengröße, Nähe, Lautstärke und Bewegungsanteil angepasst. Früh erkennbare Signale – wegschauen, Anspannung, rastloses Suchen, Abwehr oder Ermüdung – führen zu einer Veränderung oder einem ruhigen Abschluss.

Auch das Tier braucht ein vorhersehbares Setting und Pausen. Ein ruhiger Mensch-Tier-Kontakt ist nur möglich, wenn beide Seiten reguliert bleiben können.

05 · Transfer

Die Begegnung liefert Hinweise für den weiteren Alltag.

Wenn eine Person auf bestimmte Bewegungen, Lieder, Tiernamen oder Pflegehandlungen anspricht, kann das Team diese Beobachtung für weitere Aktivierung nutzen. Vielleicht zeigt sich auch, welche Raumgestaltung, Ansprache oder Tageszeit besonders gut passt.

So entsteht über den Termin hinaus zusätzliche personenzentrierte Information für Aktivierung und Beziehungsgestaltung.

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Häufige Fragen

Antworten für eine gute Entscheidung.

Akute Ursachen, Risiken und Tagesform bestimmen den Rahmen. Bei hoher Anspannung können ein kurzer Distanzkontakt, ein ruhigerer Raum oder ein anderer Zeitpunkt besonders passend sein.

Weiterführend

Ausgewählte Quellen.

Für alle, die fachliche Grundlagen und Forschung selbst vertiefen möchten.

Quellen geprüft am 14.08.2026.

  1. Deutsche Alzheimer GesellschaftEmpfehlungen zum Umgang mit Unruhe und Gefährdung bei Demenz
  2. AWMF / DGPPN / DGNS3-Leitlinie Demenzen
  3. CochraneAnimal-assisted therapy for dementia
  4. PubMedAnimal-assisted and robotic animal-assisted interventions within dementia care: systematic review

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